Kunst gegen Bares


Künstlerinnen und Künstler präsentieren ihre Talente – vom Schauspielmonolog zum Kabarettbrüller, von eigenen Gedichten bis zur Eier-Jonglage im Kopfstand – eigentlich eine typische Offene Bühne Show. Kunst gegen Bares ist die Muppet Show, nur mit Menschen statt Schweinen, Fröschen, Hunden und Bären. Alles nach dem Motto von Onkel Kermit:

„Nimm, was Du hast und flieg damit!“

Das Besondere ist zudem die Form, wie die Kunst entlöhnt wird. Das Publikum entscheidet selbst, wieviel Bares die jeweilige Kunst wert ist. Vor jeder Künstlerin und vor jedem Künstler steht ein eigenes Sparschwein, in das nach Gutdünken Geld geworfen werden kann. Bei der Kunst Gegen Bares trifft Kunst auf Kapital, und alles ohne Zwischenhändler!

Subventionierte Theater bekommen ihr Geld überwiegend von jenen Menschen, die nicht ins Theater gehen, denen das Geld für die subventionierten Theater über Steuern abgenommen werden. Diesen Theatern kann das Publikum egal sein. Sie haben ihr Geld schon, ganz gleich ob Gäste kommen oder nicht. Die Kunst gegen Bares jedoch nimmt nur Geld von jenen Menschen, die auch wirklich ins Theater kommen. Hier ist das Publikum Chef!

Es gibt genau sieben Regeln für die Kunst gegen Bares:

1. Zuschauer und Künstler kommen den selben Weg und sitzen zusammen im Publikum.

2. Die Künstler werden von der Moderation aus dem Publikum auf die Bühne geholt.

3. Die Präsentationszeit muss für alle Künstler gleich beschränkt sein.

4. Jeder Künstler erhält nach der Präsentation ein Sparschwein.

5. Das Publikum wird aufgefordert, die erlebte Kunst durch Geldeinwurf in die jeweiligen Sparschweine zu honorieren.

6. Das Geld in den Sparschweinen geht zu 100 % an die Künstler.

7. Der Künstler oder die Künstlerin mit dem meisten Geld wird zum „Kapitalistenschwein des Abends“ gekürt.In Köln wird die Show von Gerd Buurmann und Hildegart Scholten moderiert.

Gerd Buurmann hat sich in den letzten Jahren einen Ruf als beliebter, schräger und kahlköpfiger Schauspieler, Regisseur und Autor erworben. Henryk M. Broder  sagte einst von ihm: „Gerd Buurmann spielt so, wie ich schreibe.“  Ein Buurmann der Herzen.

Hildegart Scholten spricht das Publikum durch ihre ganz persönliche Art der Kontaktaufnahme an. Eine Hohepriesterin der Beziehungsgestaltung und Authentizität, des Anspruchs und des Ansprechens. Hildegart spielt nicht. Hildegart ist.

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Charlotte Werner


Aus der Reihe Kapitalistenschweine der Kunst gegen Bares: Charlotte Werner.

Von den Schauspielschulen in Deutschland (bisher) abgelehnt, spielt Charlotte Werner in der “Kunst gegen Bares” gerne mal ihre Vorsprechrollen und beweist damit, dass der Geschmack des Publikums und der Geschmack von Juroren nicht selten weit auseinander liegt. Mit Rollen wie der Marie aus Georg Büchners “Woyzeck” konnte sie das Publikum der “Kunst gegen Bares” jedenfalls so sehr in Bann ziehen, dass sie zur besten Künstlerin eines Abends gekürt wurde.

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Nico Semsrott


Aus der Reihe Kapitalistenschweine der Kunst gegen Bares: Nico Semsrott.

Erzogen von geistlich behinderten Lehrern an einer katholischen Ordensschule im eiskalten Herzen Hamburgs, zog es den kleinen Nico schon in jungen Jahren in die weite Welt hinaus. Gottes Willkür weiterhin hilflos ausgeliefert, landete er im sowohl materiell als auch intellektuell ärmsten Bundesstaat der USA: Mississippi.

Dort bekam er am eigenen Körper zu spüren, wie systematisch und gründlich (in diesem Fall: christlicher) Fundamentalismus jedem Menschen das Leben versaut. Aus dieser Hölle auf Erden geflüchtet, sah er zu Hause die Welt mit anderen Augen.

Er gründete eine Schülerzeitung, welche von seiner Schulleiterin verboten wurde – denn für sie waren Jesus und Meinungsfreiheit Gegensätze.

Obwohl sie Regimegegnern wie ihm mit Schulrausschmiss drohte, überlebte er auch diese psychische Folter wie durch ein Wunder. Er wurde hochschulreif, zahlte für seinen Abschluss jedoch einen hohen Preis. Bis heute leidet er unter den Folgen brutaler Ereignislosigkeit in 13 Jahren Unterricht.

Als Heimatloser mit Diktaturerfahrung versucht der kleine Nico seitdem, seine gewonnene Unabhängigkeit zu bewahren. So will er beispielsweise mithilfe empirischer Untersuchungen herausfinden, ob ein starkes Rückgrat im Kampf um die genetische Pole Position nicht doch von Vorteil sein kann.

Sollte ihm der Beweis wider Erwarten nicht gelingen, wird er versuchen, sich in falscher Bescheidenheit zu üben. Plan B lautet dementsprechend: In Würde scheitern.

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Nathan Ceas


Aus der Reihe Kapitalistenschweine der Kunst gegen Bares: Nathan Ceas.

Nathan Ceas sagt über sich: “Wer meine Bücher liest, weiß mehr über mich als ich selbst und lernt meine Wertvorstellungen kennen. Will der Leser wirklich wissen, dass ich in Berlin aufgewachsen bin? In der Nazizeit in Polen war und das Ende des menschenmordenden zweiten Weltkriegs, die Eroberung Berlins durch die Russen und Besetzung unter anderem durch Amerikaner eben in diesem Berlin erlebt habe?

Spielt das Geburtsjahr, das Alter, die Schulbildung eine so große Rolle, dass der Leser es unbedingt wissen möchte? Wenn ja, dann soll er mich kennen lernen, meine Bücher lesen, mir Briefe oder Emails schicken.”

Dem möchte auch die Kunst gegen Bares nichts hinzufügen, außer diesem Link:

Bücher von Nathan Ceas.

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Lisa Maria von Mühlhausen – Ein Nachruf



“Lisa Maria von Mühlhausen übt sich seit dem Sonntag, den 09.10. in tiefer Demut und entschuldigt sich hier bei Euch Lieben für alles,was sie bisher falsch machte.”

Als ich heute vom Tod Lisa Marias erfuhr, ging ich merkwürdigerweise sofort auf Facebook, um nach ihrem Status zu schauen, obwohl mir klar war, dass sie dort vor Wochen die letzte Meldung gepostet hatte. Obwohl, stimmt nicht, als erstes habe ich zum Handy gegriffen und sie angerufen. Etwas doch sehr absurdes, wenn man hört, dass eine Person gestorben ist. Ich wählte ihre Nummer und sogleich ertönte eine elektronische Stimme:

“The person You are calling is temporarily not available.”

Ach, wie gerne hätte ich in dem Augenblick Lisa Marias Stimme gehört, ihren Tonfall, dem immer auch eine Spur Verschmitztheit inne wohnte. Aber ich hörte sie nicht. Stattdessen log mich eine elektronische Stimme an. “Von wegen temporarily”, dachte ich, “she is unavailable! Aber sowas von fucking unavailable!” Lisa Maria ist von uns gegangen. Zu früh von uns gegangen. Viel zu früh!


Ich ging also auf ihre Facebookseite und las erneut ihre letzte Meldung. Sie bekam plötzlich eine ganz andere Bedeutung. Es war ein Abschied – für immer – verbunden mit einer Entschuldigung.

Liebe Lisa Maria,

ich weiß, es gehört sich nicht, einer gerade erst verstorbenen Frau zu widersprechen, aber was willst Du schon machen, um mich davon abzuhalten, Dir zu widersprechen? Ich widerspreche Dir einfach!

Für Dich gibt es nichts zu entschuldigen, nichts zu bereuen, jedenfalls nichts, was ich nicht zum nötigen Makel der Menschlichkeit zählen möchte. Für mich hast Du nichts falsch – im Gegenteil: Du hast sogar vieles richtig gemacht. Du musst Dich nicht entschuldigen. Vielmehr muss ich mich bedanken.

Ich habe Dich immer als herzliche, engagierte und vor allem optimistische Person kennengelernt. Es sind Menschen wie Du, die dafür sorgen, dass der Begriff “Menschlichkeit” positiv besetzt ist. Als vor ein paar Monaten in Ägypten der Arabische Frühling begann, da zögertest Du keinen Augenblick und finanziertest aus eigener Kasse eine filmische Solidarität mit all den Menschen, die sich nach Freiheit sehnen.

Du warst immer so voller Herzlichkeit. Ich sehe Dich gerade vor mir, wie Du in der Kunst gegen Bares in der ersten Reihe sitzt und Dich mit jedem Lachen und mit jedem Applaus nach vorne beugst, in Richtung Bühne, ganz so, als wolltest Du Deine ganze Zuneigung und Lebensfreude dem Künstler zu Füßen legen. Dein Applaus war immer auch eine Umarmung.

Du warst wirklich von einer atemberaubenden Dankbarkeit für die Kunst, für die Menschen und für das Leben. Du hast Dich täglich blind ins Leben fallen lassen. Jetzt bist Du heraus gefallen.

Wenn mich die Trauer zu sehr packt, dann schließe ich einfach meine Augen, und dann kann ich Dich sehen, in der ersten Reihe, mit Deinen offene Augen, aber auch auf der Bühne, wie Du da stehst, erzählst und singst. Ich bin mir sicher, wenn es einen Himmel geben sollte, dann stehst Du jetzt auf einer Wolke, umgeben von Engeln und singst; und wenn ich mich nicht ganz in Dir täuschen sollte, dann wirst Du Deine himmlische Revue bestimmt mit dieser Nummer beginnen.

Ach, es war eine Freude, Dich zu kennen.

Danke!

(Fotos von Jo Goede)

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Anke Fuchs


Aus der Reihe Kapitalistenschweine der Kunst gegen Bares: Anke Fuchs.

Anke Fuchs, Jahrgang 1973, lebt und schreibt seit 1992 in Köln. Das öffentliche Vorlesen hat sie 2003 zu den Aachener Literaturtagen wieder aufgenommen. Seit Ende 2006 nimmt sie – neben „klassischen“ Lesungen – mehr und mehr an Poetry Slams teil, u.a. war sie von 2006 bis 2010 bei den deutschsprachigen Poetry Slam–Meisterschaften dabei, wo sie 2008 und 2010 das Halbfinale erreichte. Beim NRW-Slam 2009 wurde sie Dritte, 2010 Vierte.
Anke Fuchs organisiert und moderiert seit Mai 2007 die Kölner Lesereihe „PoetryBites – Voll das Lesen“, veranstaltet in Köln Poetry Slam Shows, den Singer/Songwriter-Contest „Saitenliebe – Erster Song Slam Köln“ und ist Mitglied der Lesebühne „Ein Abend namens Gudrun“.  Die Presse schwärmt:

‚Immer poetisch, mal konsumkritisch, mal selbstreflektiert, mal traurig, dann wieder romantisch, oft melancholisch und immer gereimt und zart, aber bestimmt hauchend erzählt Anke Fuchs ihre Geschichten und Gedichte. Ein Ohrenschmaus für ruhige Stunden mit Euch selbst.’ (Fritz rbb, April 2011)

“Ihre Texte sind mal heiter, mal melancholisch, mal ins Philosophische gehend, ohne indes in das oft Dogmatische mancher „Wahrheitsliebenden“ zu verfallen. Die angenehme Stimme verschafft einen zusätzlichen Hörgenuss.“ (Aachener Nachrichten, 2007)

„Anke Fuchs ist eine feinfühlig-kritische Beobachterin des alltäglichen Wahnsinns [...] und zeigt, dass das beste „All-in-One“-Wohlfühlprodukt einzig ein guter Text ist.” (Kieler Nachrichten, April 2008)

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Georg Schnitzler


Aus der Reihe Kapitalistenschweine der Kunst gegen Bares: Georg Schnitzler.

Fünf mal ist Georg Schnitzler in der Geschichte der Kunst gegen Bares schon zum Kapitalistenschwein gekürt worden. Seine Fähigkeiten reichen vom komischen Schauspiel (u.a. unter der Regie von Walter Bockmeyer) über die Theaterleitung des Ersten Kölner Wohnzimmertheaters und die Konzeption von Theaterprojekten (u.a. die “schräg of show”) bis hin zur Schriftstellerei und der digitalen Fotografie. Der Kölner Stadt Anzeiger schreibt:

“Der Theaterleiter, Kabarettist, und Autor Georg Schnitzler präsentiert mit analytischem Blick, pointierte, spitzfindige Biographien. Hier haben Lebenskünstler Macken und Leidenschaften, wie sie realer nicht sein könnten. (…) In seinen Geschichten spiegelt sich Schnitzlers einmaliger Erfahrungsreichtum. Georg Schnitzler schöpft aus seinen mannigfaltigen künstlerischen Kenntnissen und einem reichhaltigen Reservoir der Talente. Von der Kunstakademie über die Ausbildung zum Floristen. Vom Damenstrumpf-Fachverkäufer zum Germanistikstudenten. Vom Kellner zum Theaterleiter. Vom Tourneetheater zum Autor und Regisseur. Vielfältiger kann ein Leben kaum sein.”

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Mario Nyéky


Aus der Reihe Kapitalistenschweine der Kunst gegen Bares: Mario Nyéky.

Mario Nyéky (24) entdeckte im Alter von 12 Jahren seine Liebe zur Musik durch den Dire Straits Song Sultans Of Swing. Nach diesem Beginn auf der e-Gitarre griff er, beseelt von Jimi Hendrix, Santana, Stevie Ray Vaughan und Mark Knopfler, mit 16 Jahren zur Akustikgitarre. Mit dem Mundharmonikaspiel kam die Freude am Songschreiben, seine Texte und Klänge wurden dann von Reisen durch Irland und die Schweiz geprägt und seit 2010 ist er nun hier in Köln und begeistert durch seine Interpretationen, seine poetischen Texte und Enthusiasmus auf der Bühne.

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